Donnerstag, 29. Dezember 2016

Das "Schwarze Kreuz" in der Dresdner Heide

Wer die einstigen ausgedehnten Jagdwälder der sächsischen Herzöge und Kurfürsten durchstreift, wird immer wieder Zeuge so manch historischer Besonderheit. Allein schon die in die "Augen" alter Baumriesen geschnittenen oder gemalten Wegezeichen sind unheimlich. Teilweise erinnern sie gar an Runen oder magische Hexenzeichen. Die jahrhundertealten Wege in der Dresdner Heide sahen und sehen aus wie ein gigantisches Spinnennetz und man gelangte sogar problemlos – wenn man wusste, wie – von der sogenannten "Ullersdorfer Todmühle" (hier erst über Flügel 1) direkt zum "Hausmannsturm" am Dresdner Schloss.
Doch auch Ganoven, Landstreichern und anderen zwielichtigen Gestalten gewährte der von urwüchsigen Hügeln und eingeschnittenen Gräben durchzogene Wald Unterschlupf. Alte Gräber aus tiefster Germanenzeit befinden sich nach wie vor gut versteckt unter den verfilzen Strauchmatten. Namen wie "Silbersee" oder "Goldbrunnen" zeugen sogar noch von Versuchen, hier wertvolle Erze abzubauen.

"Schwarzes Kreuz" in der Heide
Zwei der ältesten Wege in diesem Wirrwarr aus Pfaden und Steigen, die die Heide scheinbar wild durchschneiden, heißen "Kannenhenkel" und "Rennsteig". War Letzterer vor allem die Laufstrecke schneller Boten, so galt ersterer Weg als wichtige Nord-Süd-Tangente aus dem Elbtal heraus. Bereits mittelalterliche Karten verweisen auf diese Verbindung. Darum verwundert es auch nicht, dass der stramme Wanderbursche von heute ausgerechnet hier auf eine rätselhafte Hinterlassenschaft stößt, die einen ganz plötzlich in eine andere Zeit katapultiert. Schon in der "Oederschen Karte" von 1575 ist dieses symbolträchtige Ding, das sich unvermittelt vor einem auftut, als "Drebischkreuz" vermerkt. Hier soll das später (1602) als "Schwarzes Kreuz" bekannt gewordene Wegzeichen bereits in vorreformatorischer Zeit gestanden haben und als katholisches Gebetskreuz genutzt worden sein. 
Sicher ist, dass es später Schauplatz tragischer Ereignisse war, unter anderem der Hinrichtung eines Offiziers im Nordischen Krieg (1706) und eines Duells zweier sächsischer Gardeoffiziere am 25. November 1715. 
Eng verbunden mit dieser Stelle sind außerdem mehrere unheimliche Sagen, unter ihnen das Auftauchen des "Mittagsweibchens" und des "verfluchten Försters Hans Jagenteufel", der noch heute mit seinem abgeschlagenen Kopf unterm Arm arglose Heidewanderer erschrecken soll.

Der Ort Langebrück im Norden Dresdens nimmt unmissverständlich Bezug auf die "Lange Brücke" von Dresden. Gemeint war die mehr als 500 Meter messende steinerne Brücke über die Elbe, gleich neben der sonst genutzten Furt (heute als Augustusbrücke bekannt). Die Dresdner Brücke verband außerdem die beiden Stadtteile Dresden und Altendresden, die bis ins 16. Jahrhundert noch eigenständige Orte waren. Kaufleute aus nördlichen Gefilden mussten den "Königsweg" über die berühmte "Via Regia" bei Königsbrück nehmen und dann (mit entsprechendem Geleitschutz) den Pfad über Langebrück zum Elbtal hin. Das kostete sie zwar eine ordentliche Stange Geld, schließlich galt auf diesen Wegen der "Königsfrieden", aber gerade auf den schwer einsehbaren Wegen durch den schaurigen Heidewald sorgten die mit Armbrüsten und Schwertern stark bewaffneten Söldner für Bewachung. Diese hielten sie bis über die Dresdner Brücke aufrecht, auf welcher ein extra Brückenzoll zu entrichten war, der die Kassen der Dohnaer Burgherren ordentlich füllte, waren sie doch bis ins 17. Jahrhundert hinein im Auftrag des Kaisers für den Geleitschutz der Händler zuständig.
So ist das "Schwarze Kreuz" weit mehr als nur ein Stück dunkles Holz, das in den Himmel ragt. Es ist vor allem ein greifbares Stück Geschichte.

Euer Mario

Thomas und ich wünschen euch allen ein gesundes und abenteuerreiches neues Jahr. Und bleibt immer schön neugierig!

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Kleines düsteres Sammelsurium zur Weihnachtszeit - Teil 3

Dresdner Polizeiberichte aus dem Jahre 1897 – Oh, du kriminelle Weihnachtszeit …

„Auf dem diesmaligen Jahrmarkte sind eine ganze Reihe von Taschendiebstählen verübt und zur Anzeige gebracht worden. Der Kriminalpolizei gelang es, am Montag zwei reisende, aus Lodz in Russisch-Polen stammende Taschendiebe, angeblich jüdische Kaufleute, auf frischer That in den Budenreihen am hiesigen Johanneum zu ergreifen. Ihnen wurden bis jetzt sechs verschiedene Taschendiebstähle nachgewiesen. Im Besitze derselben befanden sich noch ein viereckiges braunledernes Damenportemonnaie mit Kugelverschluss und mit einem Kleeblatte verziert, ein gelbledernes Geldsäckchen mit Kugelverschluss, das die Aufschrift FRÖHLICHE WEIHNACHTEN trägt, ein grünledernes, innen grau gefüttertes längliches Damenportemonnaie mit gelbem Bügel und Kugelverschluss sowie ein sackförmiges schwarzes Herrenportemonnaie mit weißem Bügel.
In einem der Portemonnaies befand sich eine gelbe Messingmarke Nr. 1336. Ueber das Abhandenkommen dieser Portemonnaies liegen hier noch keine Anzeigen vor, weshalb die Eigenthümer derselben ersucht werden, sich baldigst bei der Kriminalabteilung der hiesigen königlichen Polizeidirektion zu melden.“


„Auch wurde eine 43 Jahre alte, getrennt lebende Arbeitersehefrau beim Taschendiebstahl betroffen, festgenommen und einer ganzen Anzahl von Diebstählen überführt.“


„Außerdem wurde eine 27 Jahre alte Schlossersehefrau von der Kriminalpolizei auf frischer That ertappt, wie sie von einem Verkaufsstande auf dem Neumarkte Waren entwendete.“

Dienstag, 20. Dezember 2016

Kleines düsteres Sammelsurium zur Weihnachtszeit - Teil 2

Dresdner Polizeiberichte aus dem Jahre 1897 – gemeine Diebereien:
  
„Derjenige Dieb, der in letzter Zeit wiederholt von Rollwagen weg ganze Fässer Butter stahl und dann an hiesige Händler verkaufte, ist als der Neu-Ostra wohnhafte, zuletzt mit 2,5 Jahren Zuchthaus vorbestrafte Handarbeiter Max Gnauck von der hiesigen Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen worden. Demselben sind 14 verschiedene Fälle, die er auch eingeräumt hat, nachgewiesen worden.“


„Ein 17jähriger Kaufmannslehrling wurde wegen Erbrechens von Abort-Automaten in Haft genommen. Von der Kriminalpolizei sind demselben 12 Stück nachgewiesen worden.“


„Diejenige Frauensperson, die unter Thränen vorgab, von auswärts gekommen zu sein und ihr Portemonnaie und ihre Eisenbahnrückfahrkarte verloren zu haben, und sich auf diese Weise Geldbeträge erschwindelte, ist in einer 20jährigen, bereits steckbrieflich verfolgten Dienstperson festgenommen worden.“


„Der Arbeiter Bruno Albert Klemm, 1861 in Leipzig geboren, entwendete einem (Straßen)Musiker eine Klarinette im Werthe vom 20 Mark. Unter Berücksichtigung des Umstands, dass Klemm durch seine ordinäre Handlungsweise einen armen Musiker zeitweise erwerbsunfähig machte, erkannte das Schöffengericht auf einen Monat Gefängniß.“

Sonntag, 18. Dezember 2016

Kleines düsteres Sammelsurium zur Weihnachtszeit

Dresdner Polizeiberichte aus dem Jahre 1897 – makabre Todesfälle und sonderbare Unglücke:

„In der Bodenkammer eines Hauses der Südvorstadt wurde heute früh ein bei den Angehörigen wohnhafter junger Mensch erhängt aufgefunden.“


„Auf dem Schlossplatze ist in der Nacht zum Montage ein aus einem Dorfe bei Dresden hierhergekommener 17 Jahre alter Lehrling in besinnungslosem Zustand aufgefunden und in das Stadtkrankenhaus gebracht worden, wo er im Laufe des gestrigen Tages verstarb. Der junge Mensch hatte sich wahrscheinlich vergiftet, die Erörterungen sind noch im Gange.“


„Von der Marienbrücke ist am Montagabend ein älterer Mann unter Zurücklassung eines Hutes und eines Notizbuches in die Elbe gesprungen und im Wasser verschwunden.“


„Der am Dienstage in der Kreuzkirche durch ein abgefallenes Steinstück getroffene jüngere Arbeiter ist nach kurzer Zeit infolge des erlittenen Schädelbruches im Stadtkrankenhause verschieden.“


„Auf Laubegaster Flur sind gestern früh nahe der Elbe Frauenkleidungsstücke und ein Zettel mit einer Adresse aufgefunden worden. Die Sachen gehören, wie durch Angehörige festgestellt wurde, einer hier wohnhaften 43 Jahre alten Frau, die seit dem Dienstag Abend vermisst wird und wahrscheinlich den Tod in der Elbe gesucht hat. Die Verschwundene ist noch mit rothem Barchenthemde, blau und weiß gestreiftem Unterrocke, grauwollenen Strümpfen und leichten Stiefeletten bekleidet. Sie hat silbergraue Haare.“


„Ein Opfer des Kreuzkirchenbrandes: Der Maurer Schmidt, welcher von herabfallenden Schuttmassen beim Abbruch der Kreuzkirchen-Ruine verletzt wurde, ist gestern in Folge schwerer Gehirnerschütterung gestorben. Der Mann war bekanntlich an demselben Tage erst in Arbeit getreten und hatte bis zum Frühstück gearbeitet.“


„Heute früh halb sechs Uhr ist in der Pfotenhauer Strasse eine 84 Jahre alte, seit längerer Zeit geistesschwache Wittwe aus einer im vierten Stockwerk gelegenen Schlafkammer nach Oeffnung des Fensters, wobei sie annehmbar das Gleichgewicht verloren hat, hinab auf die Strasse gestürzt. Man fand sie vor dem Hause auf dem Fußwege tot vor.“


„In der Wilsdruffer Vorstadt hat am Dienstagnachmittag ein 28 Jahre alter Kaufmann durch Erschießen sich den Tod gegeben.“


„Vor einigen Tagen genoss in selbstmörderischer Absicht eine 28 Jahre alte, hier wohnhafte Frau eine Phosphatlösung und ist am Freitag gestorben.“


„In der Oppellvorstadt hat sich in der vergangenen Nacht ein 28 Jahre alter, von Epilepsie heimgesuchter Cigarrenarbeiter aus dem Fenster seiner im dritten Stockwerke gelegenen Wohnung in den Garten gestürzt. Der Mann fiel auf einen Lattenzaun und durchbohrte sich den Unterleib. Bald danach verstarb er.“

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Echt oder nicht?

Neue Entwicklungen betrafen in dieser Woche die Recherchen zu einer geheimnisvollen Handschrift des Dohnaer Pfarrherrn Nicolaus Blum, der im Jahre 1601 die Leichenpredigt für den am 9. Oktober des gleichen Jahres enthaupteten Kanzler Nikolaus Krell in der Dresdner Frauenkirche gehalten hatte. Vor allem auf Bestreben der noch sehr jungen Kurfürstenwitwe Sophie von Brandenburg wurde der von Kurfürst Christian I. von Sachsen ins Amt geholte Krell am Tag des Begräbnisses des Kurfürsten für zehn Jahre auf der Festung Königstein eingesperrt. Christian starb mit nur 30 Jahren, aber er hatte kurz vor seinem Ableben seinem Kanzler die Amtsgeschäfte übergeben.

Kanzler Nikolaus Krell (um 1550 bis 1601)
Doch interessierte das seine Frau?
Leider nein, wie wir heute zweifelsfrei wissen. Vor allem die Abschaffung der Teufelsaustreibung gleich nach der Geburt eines Kindes, die Krell als unsinnig abgeschafft hatte, war der Kurfürstenwitwe ein Dorn im Auge gewesen.

Die entdeckte Handschrift in Dohna wurde nun ein weiteres Mal unter die Lupe genommen. Gemeinsam mit Franz Neugebauer von der "Sütterlinstube" Dresden konnte ich auch Thilo Scala für ein Treffen gewinnen. Dieser hatte eine unglaubliche Fleißarbeit beim Übertragen des Buches geleistet. Jede einzelne Seite hatte er einscannen müssen, um die Buchstaben genau erkennen und übersetzen zu können.
Doch was wollten wir Neues herausfinden?
Nun, Bücher muss man vor allem in die Hand nehmen, um sich ein Urteil zu bilden. Farbe und Glanz der verwendeten Tinte, die Stärke des Papiers, der Schreibstil der Wörter – das alles ist unerlässlich für eine Überprüfung. Vor allem ein Wasserzeichen, das mein Bruder Maik auf zahlreichen Buchseiten entdeckt hatte, wurde interessant, weil es das sächsische Wappen zeigte.
Welche Papiermühle hatte diese Buchseiten hergestellt? Wann und wo? War dafür vielleicht sogar die Papiermacherdynastie Schaffhirt zuständig, die seit dem 16. Jahrhundert in Dresden in der Papiermühlengasse aus Lumpen Papier herstellte? Mit dem Ahnenforscher und Ururenkel des letzten Papiermachers, Thomas Schaffhirt, hatte ich deswegen vor einigen Wochen sogar Kontakt aufgenommen.

Schriftprofi Franz Neugebauer sah sich vor allem die Schrift genauer an. Denn nach wie vor ging es darum, ob wir es bei dem entdeckten Buch mit einer späteren Abschrift der Leichenpredigt Blums zu tun hatten oder ob vor uns vielleicht sogar genau jenes Manuskript lag, aus dem der Dohnaer Pfarrer am 10. Oktober 1601 in der Frauenkirche vorgetragen hatte. Diese Leichenpredigt hatte schieres Entsetzen bei den Glaubensanhängern Krells ausgelöst und viel religiösen Staub aufgewirbelt.

Ausschnitt der gefundenen Handschrift
Anhand des individuellen Schriftbildes und der Feinheiten konnte sich Franz Neugebauer ein erstes Bild machen.
"Das Buch wurde nicht in einem Zug durchgeschrieben", erkannte er. "Es weist unterschiedliche Tintenstärken auf. An einigen Stellen wurde etwas schneller geschrieben, dann schien der Schreiber auch einmal müde gewesen zu sein. Auf manchen Seiten hat er den zur Verfügung stehenden Platz falsch eingeschätzt und fing an, sehr gedrängt und schmal zu schreiben."
Die wenigen Korrekturen zeigten Franz aber vor allem eines: "Wir haben es hier mit einer sauberen Mitschrift zu tun, die wahrscheinlich zuvor von einem Konzept sozusagen ins Reine übertragen wurde."
Um dann als Vorlage für den zwei Jahre später erfolgten Druck zu dienen?
Vielleicht. Unsere "Ermittlungen" in dieser Sache sind also noch nicht abgeschlossen. Vor allem, da ganz unvermutet auch noch eine weitere interessante Lektüre über den durchaus umstrittenen Pfarrherrn aus Dohna auftauchte, nämlich das Protokoll eines Exorzismus aus dem Jahre 1605 in Pirna.
Daher – Fortsetzung folgt!


Bis dahin wünsche ich euch allen ein frohes Weihnachtsfest,

euer Mario

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Viel mehr als ein Rechtsbuch ...

Eines der berühmtesten Bücher der deutschen Rechtsgeschichte gelangte in den Kriegswirren des Jahres 1945 auf abenteuerlichen Wegen mit Pferdewagen, Handwagen und sogar per Rucksack von Schloss Weesenstein im Müglitztal, wo es zum Schutz eingelagert worden war, zurück nach Dresden.

Um welch außerordentlich wertvolles Stück Geschichte es sich dabei handelte?

Um die Bilderhandschrift des "Sachsenspiegels" – des ersten deutschen Rechtsbuches und auch eines der ersten deutschen Prosawerke.
Verfasst wurde es von einem gewissen Eike von Repgow, der damit erstmals versuchte, das Recht der Sachsen aufzuzeichnen, zu systematisieren und zu vereinheitlichen. Bis dahin war Land- und Lehnrecht von Region zu Region aus dem Gewohnheitsrecht heraus unterschiedlich. Entstanden ist das Werk zwischen 1220 und 1230 und prägte die deutsche Rechtsprechung sowie das Verständnis für Recht und Unrecht maßgeblich.

Von den heute noch existierenden und extrem wertvollen vier Abschriften ist ausgerechnet das Dresdner Exemplar mit seinen 924 Bildstreifen auf 92 Blättern das mit Abstand wertvollste.
Seit dem 16. Jahrhundert ist der Prachtband in Dresden nachweisbar. Untergebracht und versteckt an den verschiedensten Orten – im Residenzschloss, im Zwinger, bis 1945 im Japanischen Palais und später in einer Kaserne in der Albertstadt –, könnte man meinen, man hätte nie den idealen Platz für diesen Schatz gefunden. Und nicht immer wurde das berühmte Zeugnis der deutschen Rechtsgeschichte dabei pfleglich behandelt. Ganz im Gegenteil: Es musste in all den kriegerischen Jahrhunderten Kanonen- und Bombenangriffen trotzen, widerstand Nässe in feuchten Kellergewölben, wo man es ganz und gar sicher wähnte, bis die Elbe bei Überschwemmungen ihr hässliches Gesicht zeigte. Die prächtig gemalten Seiten litten extrem und konnten nur immer wieder durch aufwendige Restaurationsarbeiten vor dem Verfall gerettet werden.

Bild: SLUB Dresden
Das Original des Dresdner "Sachsenspiegels" befindet sich heute in der Schatzkammer des Buchmuseums der SLUB und wird aus konservatorischen Gründen nur sechs Wochen im Jahr gezeigt. Aktuell ist er bis 9. Januar 2017, täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.






 Euer Mario

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Eintrag in einer Dresdner Chronik aus dem 18. Jahrhundert

„Johanna Christiana Schäferin aus Dresden-Friedrichstadt, ein 28-jähriges Eheweib eines Soldaten bei hiesiger Garde du Corps (Polizeieinheit), welche am 1. Oktober 1783 einen schändlichen gewaltsamen Mord an ihrer Wohltäterin und Patin begangen, ist auf hiesigem Rabenstein decolliert (mit dem Schwert den Kopf vom Rumpf geschlagen) worden.
Sie ging in aschgrauem Damis gekleidet, trug an der Brust ein Blumenbouquet und hatte eine schwarze Damisschürze vorn. Ihrem Tode ging sie mit Heiterkeit und standhaftem Geiste recht christlich gefasst entgegen. 
Gebe der Himmel, dass dieses Strafexempel einen heilsamen Eindruck auf böse Herzen macht und sie mächtig vom Verderben auf den verlassenen Weg der Tugend zurück scheucht!
Im Arrest kam sie mit einem Kinde danieder, um dessen Erziehung sich nun gesorgt werden wird.“

Bild eines Rabensteins (jedoch nicht des Dresdner Schafotts)