Dienstag, 25. Oktober 2016

Die Buchveröffentlichung naht

Welche undankbare Aufgabe übernahmen in Dresden die sogenannten "Stänkerjungen"? Warum war der Scharfrichter auch unter dem Namen "Züchtiger" oder "Hundeschläger" bekannt? Und was hat es mit jenem hölzernen Galgen auf sich, an dem sich gar keine Seilschlinge befand?
Erfahren könnt ihr all diese sehr speziellen, finsteren Details im Buch "Vom Hängen und Würgen – Dresdens schaurige Geheimnisse", das im März 2017 im Dresdner Buchverlag erscheinen wird.

ISBN: 978-3-941757-69-1

Warum der Rat der Stadt eines Tages ausnahmslos alle Bäcker Dresdens in einen Turm einsperren ließ? Selbstverständlich steht auch das dort drin. Und ebenfalls, warum man dabei allzu gern auf die Hilfe eines wunderschönen "Mädileins" zurückgriff. Seid gespannt …

Euer Mario

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Ein Kran für einen Henker

Fast jeder hat ihn schon einmal gesehen - den Schwerlastkran, der momentan an der Dresdner Flügelwegbrücke steht. Einer der Größten seiner Bauart und somit eine imposante Erscheinung mit seinen V-förmigen Auslegern, die weit in den Himmel ragen.

Was hat nun dieser Kran in einem Blog über mittelalterliche Gerichtsbarkeit zu suchen?
Das erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Ich selbst habe von der folgenden Geschichte in einem von mir besuchten "Kran-Lehrgang" erfahren und daraufhin weiterrecherchiert.
In eben diesem Lehrgang ging es unter anderem um Kran-Bautypen. Der Schwerlastkran im Alberthafen an der Flügelwegbrücke würde "Derrickkran" genannt und der Seminarleiter verwies darauf, dass der Namensgeber ein gewisser Thomas Derrick gewesen sei, der als "Henker von Tyburn" Bekanntheit erlangte.

Derrickkran im Dresdner Alberthafen
Thomas Derrick war ursprünglich Seemann der englischen Flotte. Unter anderem nahm er 1596 an der Expedition des Robert Devereux, 2. Earl of Essex (ein Günstling und Favorit der Königin Elisabeth I.) teil, bei welcher die spanische Hafenstadt Càdiz erobert wurde.
Leider benahmen sich die englischen Seeleute dort nicht wirklich anständig. Sie plünderten und brandschatzten in der Stadt und vergewaltigten spanische Frauen, sodass man sich genötigt sah, ein Exempel zu statuieren: Es wurden 24 Seeleute zum Tode verurteilt.


Nun aber gab es ein Problem: Man hatte keinen Henker dabei und es wollte auch niemand diese undankbare Aufgabe übernehmen. Also bestimmte der Earl einen der Verurteilten, Thomas Derrick, die anderen zu hängen. Er wurde dafür begnadigt.
Als Seemann war Derrick der Umgang mit der Schiffstakelage wohlbekannt und so konstruierte er damit einen Ausleger und konnte dadurch die restlichen 23 Verurteilten mit einem Mal hängen. Das nennt man Effizienz ...

Da er nun aber einmal gerichtet hatte, konnte er nichts anderes mehr tun. Er galt ab sofort als Unehrenhafter und übernahm nach seiner Rückkehr nach England den Galgen von Tyburn, einem Vorort von London.
In seiner Funktion als Henker von Tyburn richtete Derrick sage und schreibe mehr als 3000 Menschen. Aber es kommt noch skurriler: Durch Selbstüberschätzung und die Missachtung von Befehlen verspielte Robert Devereux nach und nach die Gunst der Königin. Er verfiel auch zunehmend in Melancholie und ein Hang zu Verschwörungstheorien machte sich bei ihm breit. Am 8. Februar 1601 versuchte er schließlich, in einem Staatsstreich die Macht in London an sich zu reißen – was aber kläglich misslang. Er wurde noch in derselben Nacht festgenommen und zum Tode verurteilt.
Am 25. Februar 1601 wurde er im Tower mit dem Schwert gerichtet – und zwar von dem noch immer amtierenden und von ihm einst bestimmten Thomas Derrick.

Bei dieser Hinrichtung zeigte sich übrigens der große Unterschied zwischen den geforderten enormen Fertigkeiten eines Scharfrichters, der "scharf richtete" (mit der Schärfe des Schwertes), und einem Henker (ursprünglich der Vollstrecker einer Hinrichtung durch das Hängen). Thomas Derrick brauchte nämlich zum Enthaupten des Earls ganze drei Hiebe. Hängen war wohl eher sein Ding ... Kein Wunder also, dass nach ihm und seinen morbiden Hinrichtungs-"Erfindungen" Bohrturmgerüste, Derrickausleger und der Derrickkran benannt sind.

Mein Fazit also: So ein Lehrgang kann manchmal auch in anderer Richtung interessant sein. Wer weiß schon, was für Geschichten selbst unter den scheinbar "trockensten" Themen verborgen sind …


Euer Thomas

Montag, 10. Oktober 2016

Schandesel – Teil 3

Wie kann man ein paar regnerische Tage in Prag verbringen, ohne dem Thema "Gerichtsbarkeit" untreu zu werden?
Ganz einfach – man taucht ins "Museum der Torturen" inmitten des Touristengewimmels ab und macht sich dort mit der abscheulichen Zeit des Richtens und Bestrafens vertraut. Einer Zeit, als es noch einen Hinrichtungsplatz direkt vor dem Prager Rathaus mit der berühmten Astronomischen Uhr gab.
Auf der Prager Burg wurde ebenfalls Geschichte geschrieben, denn hier residierte unter anderem Rudolf II., der bekannt war für seine extravaganten Sammlungen, die zum Teil recht morbide Züge trugen. Davon werde ich später gerne mehr berichten.
Die Recherchen zum Schandesel führten mich also in die tschechische Hauptstadt. Und hier – unweit der berühmten Karlsbrücke – konnte ich endlich eines der entwürdigenden Strafgeräte genauer begutachten. 

Die Kellergewölbe des schaurigen Museums führten mich buchstäblich in ein morbides Folteruniversum: Daumenschrauben, Mundbirnen, Fußfesseln, Schandmasken. Da wurde mit rostigen Ausstellungsstücken wirklich nicht gespart! Doch eine Erklärung, was genau mit all diesen Geräten gemacht wurde, blieb die Ausstellung dem Besucher schuldig. Nur wer einigermaßen mit den Praktiken des Bestrafens vertraut ist, bekam eine Ahnung davon.
Hinter einem Metallgitter, nur spärlich beleuchtet, sodass einem die Knie schon ein wenig weich werden konnten, stand das eher zart aussehende Tier. Einem Esel sicher nicht unähnlich, aber es hätte gut und gerne auch ein Reh sein können. Doch das scharfe Rückgrat zeigte deutlich seinen eigentlichen Verwendungszweck und beweist, dass das Bestrafen durch derartige Sitzpranger in vielen Großstädten im 17. Jahrhundert üblich zu sein schien.  Auf dem Boden lagen außerdem zwei Steine an Ketten, die eventuell an den Beinen des Delinquenten befestigt wurden, um die Schmerzen bei der Bestrafung zu erhöhen. 













Dort unten in den düsteren Kellergewölben verfestigte sich auf jeden Fall eine Idee: Der Dresdner Schandesel muss eine Renaissance erleben. Was genau ich damit meine, werde ich zu gegebener Zeit ausplaudern …

Euer Mario