Freitag, 29. April 2016

Brandaktuell: Haben wir einen sensationellen Fund gemacht?


Ist er's oder ist er's nicht ...?

Im Rahmen unserer neuesten Recherche machten sich mein Freund und Kollege Thomas Zahn und ich auf die Suche nach einem Galgen. Würde sich mit einer uralten Karte und ein paar vagen Einträgen in alten Ortschroniken des Müglitztales der längst vergessene Richtplatz finden lassen, auf dem auch der Lauensteiner Henker schauderhafte Urteile vollstreckte?
Ihr dürft gespannt sein. 
Und warum die Geschichte auch unter dem Titel "Der Atem des Todes" stehen könnte, gibt es in Bälde hier zu erfahren ... 

Auf der Suche nach der Stätte des Todes










  

Mittwoch, 27. April 2016

„Schande über dich!“ – Die Dresdner Schandmaske (Teil 1)


Im Zuge einer spannenden Recherche für einen Zeitungsartikel über Dresdner Geschichte "zum Gruseln" nahm die Journalistin Beate Erler im Mai 2014 mit mir Kontakt auf. Wir trafen uns an verschiedenen Stellen in der Dresdner Innenstadt. Scheinbar harmlose Pflastersteine oder Steinsockel entpuppten sich dann bei näherem Hinsehen beispielsweise als Reste eines berüchtigten Gefängnisses, in welchem viele der schlimmsten Verbrecher, die je die Schaubühne der Dresdner Stadtgeschichte betreten hatten, ihre Strafen verbüßten. Darunter Priestermörder, grausame Serientäter oder notorische Räuber.
Vor allem aber galt das Interesse der jungen Journalistin einer düsteren Besonderheit des mittelalterlichen Alltags: den Prangern, jenen entwürdigenden Ehrenstrafen, die auf öffentlichen Plätzen stattfanden.
Doch was würde sich tatsächlich an historischen Fällen in den alten Chroniken Dresdens finden lassen? Wie genau ging das alles vor sich – das Tragen der "Lästersteine", das Einsperren in das "Narrenhäuschen" auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche oder das Abstrafen durch sogenannte "Schandmasken"?
Hier gab ich ihr einen Bericht an die Hand, den ich bei Theodor Grässe im "Sagenschatz des Königreiches Sachsen" von 1874 gefunden hatte. Diese mit Anekdoten prallgefüllte Sammlung war bei meinen eigenen Recherchen schon oft "Anstifterin" zu abenteuerlichen Entdeckungen gewesen – und das sollte in diesem speziellen Fall genauso werden …

Im Zusammenhang mit einigen kurfürstlichen Jagden im nahe gelegenen Heidewald war darin beispielsweise die Rede davon, dass die Bauern der Umgebung blaue Hüte zu tragen hatten, die nummeriert waren. Damit hatten sie sich dann am Wegesrand aufzustellen, damit die edlen Jagdgesellschaften die Orientierung im dichten Heidewald nicht verloren.
Als Bestrafung für Unwillige, die nicht als lebende "Wegemarkierungen" fungieren wollten, war das Tragen einer schweren eisernen Haube vorgesehen, die den ganzen Kopf bedeckte. Diese Eisenmaske hätte, so stand es geschrieben, nur zwei Löcher für die Augen und eine Öffnung für das Aufnehmen flüssiger Nahrung gehabt. Außerdem, so lautete es in dem brisanten Bericht, seien einem gewissen Philipp Hainhofer im Jahre 1629 wenigstens dreißig derartige "Schandmasken" im Jagdhause zu Dresden gezeigt worden.





Das brachte mich also zu der Frage: Wohin waren diese Strafrelikte verschwunden? Im Dresdner Stadtmuseum hatte ich nämlich noch keine derartige "Schandmaske" entdecken können. Daher riet ich Beate Erler zur Nachfrage beim Oberkonservator der Dresdner Rüstkammer.

Fortsetzung folgt …

Montag, 25. April 2016

Meine neuesten Buchprojekte


Heute möchte ich mal etwas "Werbung" in eigener Sache machen, denn ich freue mich, dass im Mai der zweite Band meiner kleinen Buchreihe "Dresden zum Gruseln" erscheint. Ein Muss für alle, die die Dresdner Stadtgeschichte mal mit anderen Augen sehen möchten.


Band 1
Band 1 von "Dresden zum Gruseln" trägt den Titel "LICHT & SCHATTEN einer alten Stadt" (2015). Band 2 erzählt ab Mai 2016 unter anderem vom "TOTENTANZ" und "BÖSEN HAUS". Weitere Folgebände sind bereits in Planung.

Im Frühjahr 2017 erscheint dann aber erst einmal von mir in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Buchverlag eine Buchversion für tiefergehend am Thema mittelalterliche Gerichtsbarkeit interessierte Erwachsene unter dem Titel "Vom Hängen und Würgen – Dresdens schaurige Geheimnisse".



Dresden zum Gruseln (Band 2)
Vom TOTENTANZ zum BÖSEN HAUS

Das Buch erscheint am 30. Mai 2016 im Alwis Verlag Dresden
ISBN: 978-3-938932-46-9
Seiten: 48
Preis: 5,95 Euro
Mit Illustrationen von Thomas Zahn
Altersempfehlung: ab 12 Jahren 



Band 2
Infos zum Buch "Dresden zum Gruseln – Vom TOTENTANZ zum BÖSEN HAUS"

Warum stieg am "Rabenstein" vor den Toren Dresdens oft beißender Qualm in den blauen Himmel? Gab es tatsächlich einen Friedhof für Henker? Und was haben all die Toten in den unheimlichen Grüften unter der Frauenkirche zu bedeuten, die schaurige Kronen aus gebogenem Kupferdraht auf ihren Köpfen tragen?

Dies sind nur drei Geheimnisse, die der ruhelose Geist von Jonas Daniel, dem kampferprobten Leibwächter der Dohnaer Burggrafen, im zweiten Band der beliebten Buchreihe "Dresden zum Gruseln" lüftet. Denn er lädt Sie wieder ein zu einem atemraubenden Streifzug durch die dunkle(n) Geschichte(n) der Stadt.

Weitere Infos unter: www.buchentdecker.de 

Samstag, 23. April 2016

Experiment geglückt – doch es bleiben Fragen


Die Bauern, die 1575 an dieser Stelle fünf lange Wochen ausharren mussten, hatten definitiv die Hölle auf Erden gefunden, denn bei maximal 10 Grad Celsius, alles durchdringender Nässe und einem Luftzug wie durch einen offenen Kamin waren die Auswirkungen vorherzusehen: Krankheit, Depression, Verzweiflung – der Wahnsinn schlechthin.
Doch es sollte für sie noch schlimmer kommen: Wer direkt unter dem vergitterten Einstieg lag, der bekam auch als Erster die stinkenden Ausscheidungen der Wachleute ab, die im kühlen Herbst ihren Posten sicher nicht wegen eines umständlichen Gangs zum Abort verlassen wollten. Und davon einmal abgesehen – auch für die Inhaftierten gab es keine Möglichkeit, sich des eigenen Urins und Kots vernünftig zu entledigen. Das galt sicher ebenfalls als Teil der entwürdigenden Strafe.

Da Maik und ich bereits nach wenigen Stunden in der kalten Zugluft wie die Schneider froren, wollten wir uns lieber einen anderen Platz suchen. Weiter hinten in dem Loch war es zwar dunkler und sicher auch stickiger, aber der Liegeplatz dort schien etwas größer zu sein. Allerdings mussten wir uns diesen erst noch frei räumen, denn überall lagen grobe Steine herum. Und während unserer Arbeit tauchten sogar Knochenfragmente zwischen all dem Schutt auf. Oh, wie aufmunternd!
Die Steine schichteten wir zu einem kleinen Wall um uns herum auf, um nicht beim Schlafen versehentlich in die Grube zu fallen, die sich in der Mitte des "Raumes" befand. Genau hier sollte außerdem unsere Laterne stehen. Am tiefsten Fleck. Denn ihre Funktion bestand nicht nur darin, uns ein wenig Licht zu spenden, sondern (viel wichtiger) sie sollte uns den Sauerstoffgehalt in der Luft verraten. Erlosch die zarte Flamme in den kommenden Stunden, dann hatte sich das Experiment sowieso erledigt.

Für die nächsten drei Stunden wurde nun der Würfelbecher unser liebstes Unterhaltungsgerät, das Klappern der springenden Würfel unsere Lieblingsmelodie.
Doch was mochten die Inhaftierten hier unten all die Tage und Wochen getrieben haben? Wie schlimm hatten sie gefroren, gelitten? Wie hatten sie sich eventuell Mut gemacht?

Nach weiteren zähen Stunden hatten wir uns einigermaßen mit den widrigen Umständen abgefunden. Das Stroh isolierte die Bodenkälte besser als vermutet. Aber wie mochte das bei Nässe gewesen sein oder wenn fünf Männer im Raum ihre Notdurft verrichteten?
Unfassbar, dieser Gedanke! Und für uns tabu. Von Anfang an stand fest, dass wir für eben jene Situation ein einziges Mal das "Angstloch" verlassen dürften – aber nur für zehn Minuten.

Irgendwann fielen uns dann die Augen zu. Die Kälte hatte uns inzwischen völlig durchdrungen, von der Nasenspitze bis zum kleinen Zeh. Aber wer – wie wir – oft im Herbst in den skandinavischen Wäldern das Zelt aufschlug, der kannte es gut, dieses kribbelnde Gefühl des permanenten Frierens.

Am nächsten Morgen werde ich einem Journalisten von der SZ sagen, dass da unten eine Ruhe herrschte, die schon beinahe wehtat. Wir konnten sogar die Mücken hören, die gegen die Felsmauern knallten. Was für verrückte Beobachtungen man in einer derartigen Lage anstellt!
Aber vielleicht hatte ich auch noch ganz andere Dinge wahrgenommen, die nichts mehr mit dieser Welt zu tun hatten? Mehrfach war ich nämlich überzeugt davon, dass sich nur wenige Zentimeter vor dem meinen ein weiteres Gesicht in der Finsternis befände, das mich anstarrte. Maik ging es übrigens ganz ähnlich …
Deshalb kreisten unsere Gedanken auch um das einzig Vernünftige: das erste Tageslicht, das sich durch die viereckige Öffnung über uns zwängen würde, und den kurz darauf erfolgenden Ausruf der Museumsleitern der Burg Lauenstein, Frau Gelbrich: "Geht es Ihnen noch gut da unten? Kaffee zum Frühstück?"

Selten sind wir so erleichtert aus einem Loch herausgekrochen. Das Experiment "24 Stunden Angstloch" war geglückt, doch Fragen blieben. Fragen wie: Warum taten Menschen anderen Menschen etwas Derartiges an? Hofften sie tatsächlich, den anderen auf diese Art ändern zu können? Durch Erniedrigung, Entkräftung, Schmerzen? Und sind wir heute tatsächlich besser?
Doch jetzt hieß es erst einmal Hände schütteln, Staub abklopfen und neue Pläne schmieden: Es hat doch in Lauenstein mit Sicherheit auch einen Galgen gegeben. Welch schauderhafte Geschichten uns der Ort, an dem sich dieser befand, wohl erzählen könnte? 

Freitag, 22. April 2016

Wir richten uns ein in der dunklen Tiefe ...


Eine der Urängste der Menschen ist die Furcht vor der Dunkelheit. Die ist uns angeboren. Von der Finsternis ging nie etwas Gutes aus. Hier lauerte Gefahr. Die Dunkelheit war das "Reich" der Mörder und üblen Kreaturen. Bereits in der germanischen Götterwelt herrschte eine schreckliche Frau namens Hel über das dunkle Totenreich. Sie war eine von drei abgrundtief hässlichen Abkömmlingen des listenreichen Gestaltenwandlers Loki mit einer Riesin. Wer nach Helheim kam, den erwartete eine finstere Welt des Nichts, des Stillstandes. Eine Rückkehr von dort war nicht vorgesehen.

Genau an solche Bilder mussten wir bei unserem kleinen Experiment auf Burg Lauenstein denken.


Die Menschen des Mittelalters glaubten an die Hölle. Für sie war das ein ganz reeller Ort zum Verbüßen schlimmster Taten. Und was konnte da noch schlimmer sein, als sogar schon hier im Diesseits eine Stätte zu finden, die so sehr der Vorstellung der Hölle entsprach wie ein "Angstloch" auf mittelalterlichen Burgen? Schenkt man den spärlichen Beschreibungen über Angstlöcher Glauben, dann trieb es die Menschen darin entweder schon bald in einen Angstwahn oder sie starben an Unterernährung und Unterkühlung.

Auf diese Spitze wollten wir unser kleines Abenteuer jedoch nicht treiben. Die Vorstellungskraft reichte uns hier vollkommen aus.
Für uns stellte sich stattdessen die Frage: Was billigen wir uns an kleinen Annehmlichkeiten zu, die wir mit nach unten nehmen konnten?
Heraus kam Folgendes: eine kleine Laterne mit Teelicht, ein Würfelbecher mit drei Würfeln, etwas zu beißen – und, als größter Luxusartikel, drei trockene Strohballen.

Unten angekommen, legte Maik das Stroh aus. Vorher musste allerdings für Rudolf (das Skelett) eine neue "Schlafstätte" gefunden werden, denn der machte sich auf der einzigen ebenen Fläche mächtig breit. Bisher konnte er das ja auch, er war ja schließlich immer alleine gewesen – doch in den nächsten 24 Stunden hatte er uns zur Gesellschaft. Hier unten im "Angstloch" von Burg Lauenstein, in fünf Metern Tiefe, direkt unter dem vergitterten Einstieg, wo ein permanenter Luftzug unsere Körper erschreckend schnell auskühlte …

Fortsetzung folgt …