Montag, 26. März 2018

Fundstück Nummer 13: Ostereier?

Sicher sind wir uns darüber einig, dass Kanonenkugeln in einer Hauswand nicht der Normalität entsprechen. In Dohna, einem kleinen Ort im Müglitztal, keine 30 Kilometer von Dresden entfernt, begegnen den Besuchern jedoch häufiger derartige "faule Ostereier".
Den Hauswänden, in denen diese verrosteten Geschosse stecken, sieht man ihr betagtes Alter zumeist auch gleich an. Viele der Gebäude stammen noch aus der Zeit vor 1813.

Kam der geschichtsträchtige Ort Dohna durch so manches Ereignis im Mittelalter mehr als einmal in die Schlagzeilen, so sollte sich auch in Zeiten größter blutiger Unruhen unter Napoleon daran nichts ändern. In Dohna gerieten die dortigen Burggrafen mit dem Meißner Markgrafen bereits um das Jahr 1200 wegen der Vorherrschaft im Gau Nisan in heftigen Streit. Die Dohnaer zogen den Kürzeren und wurden 1402 schließlich vom einäugigen Wilhelm (Markgraf Wilhelm I. von Meißen) verjagt. Später peinigten marodierende Hussitenbanden und schließlich auch die Pest die Bevölkerung des kleinen Ortes.

Ganz dicke sollte es jedoch 1813 kommen: In jenem Jahr zogen die Truppen Napoleons nach erfolgreicher Schlacht um Dresden (26. und 27. August 1813) durch die dichten Wälder des Müglitztals. Sie hatten in der Residenz Schutt und Asche hinterlassen. Die südlichen Vororte von Dresden wurden teilweise schwer zerstört und die Stadt glich durch die große Anzahl von Verwundeten einem einzigen riesigen Feldlazarett. In Dohna wurden die ermatteten französischen Soldaten jedoch bereits von russischen Truppen empfangen. Deren Begrüßung fiel sehr blutig aus. Musketen und Kanonen krachten im Sekundentakt und so mancher Querschläger landete in den Häusern der verängstigten Dohnaer.

Jene Franzosen, die sich auf eine kleine Erhebung namens "Kahlebusch" zu retten versuchten, liefen auch hier den Russen vor die Gewehre und blieben blutüberströmt auf den Sandbergen liegen. Meist handelte es sich bei ihnen um ganz junge Kerle. Ihre Knochen liegen wahrscheinlich noch heute in den Abraumhalden des Kahlen Busches.
Als "Kaisernacht bei Dohna" ist dieses bluttriefende Ereignis bekannt geworden, dessen Hinterlassenschaften man im Heimatmuseum am Dohnaer Marktplatz sehen kann. Und auch die Häuser mit den Kanonenkugeln in den Mauern scheinen diese Schicksalstage eingefroren zu haben. Drohend und mahnend – auf dass so etwas nie wieder geschieht.

Wir wünschen euch allen ein friedliches Osterfest,

Mario & Thomas

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