Mittwoch, 7. Februar 2018

Fundstück Nummer 6: Weiche Steine?

Wie ihr sicher bemerkt habt, musste der Blog-Beitrag letzte Woche leider ausfallen. Schuld daran war ich – bzw. mein Rechner, der überhaupt nicht das gemacht hat, was er sollte. Aber dadurch kommt ihr in dieser Woche in den Genuss von zwei "Fundstücken".
Die Tatsache, dass Mario und ich immer wieder in Sachen Dresdner Stadtgeschichte unterwegs sind, viel recherchieren und uns in Archiven herumtreiben, schärft auch unseren Blick, wenn wir einfach nur mal so in der Stadt spazieren gehen. Oder auf Arbeit. So wie ich. Denn auf meinem Arbeitsweg, der mich regelmäßig auf die Südhöhe führt, speziell die Kohlenstraße entlang, habe ich nun folgendes Fundstück entdeckt:

Weichbildstein (Original) Kohlenstraße
An der Kreuzung Kohlenstraße / Höckendorfer Weg herrschte bisher eine rege Bautätigkeit, sodass "er" mir zuerst gar nicht auffiel. Nachdem man nun aber wieder einen freien Blick hat, entdeckte ich "ihn" an der dort befindlichen Schule: einen recht unscheinbaren Stein. Der jedoch sofort mein Interesse weckte, erkannte ich in ihm doch einen Weichbildstein (Jahreszahl seiner Aufstellung 1729).
Dass er schon immer an dieser Stelle gestanden hat, kann man vermuten, wenn man weiß, dass sich gerade im Bereich Räcknitz / Südhöhe / Plauen die meisten dieser sogenannten "Weichbildsteine" erhalten haben, was die bereits früh bestehende enge Bindung dieser einst eigenständigen Orte an die Stadt Dresden zeigt.

Was ist nun ein Weichbildstein und warum war er so wichtig?
Das sogenannte "Weichbild" einer Stadt umfasste den Geltungsbereich des Stadtrechts sowie die Zuständigkeit des Stadtgerichtes und wurde mit solchen Steinen markiert. In Dresden wurden erstmals im Jahre 1501 nummerierte Weichbildsteine aufgestellt, etwa 80 Stück auf der linkselbischen Seite (Altstädter Seite) und etwa 20 rechtselbisch (Neustädter Seite). Für die Umsetzung des Stadtrechts und damit besonders auch für den Dresdner Scharfrichter war diese Grenze sehr wichtig, denn immer dann, wenn er jemanden mit dornenbesetzten Ruten aus der Stadt "streichen" musste, die Person also aus Dresden verjagt wurde, passierte das genau bis übers Weichbild.
Doch bitte denkt nicht, dass diese Steine "weich" gewesen wären. Der Wortteil "weich" entstammt wahrscheinlich dem Begriff "wik", was so viel wie "Siedlung" bedeutet.

Weichbildstein (Kopie) Großenhainer Str.
Wenn ihr also mal solch einen Stein seht, könnte es sich tatsächlich um einen echten Zeitzeugen handeln. 

Es gibt aber auch Kopien: Vor dem Dresdner Rathaus oder beispielsweise an der Kreuzung Hansastraße / Großenhainer Straße steht jeweils die Kopie des Weichbildsteins Nummer 13 (das Original der Nummer 13 ist auf der Königsbrücker Str. 21–29 zu finden).

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Suchen und Entdecken,

Euer Thomas

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