Donnerstag, 29. Juni 2017

Vorfreude aufs neue Buch

"Gewalt ist eine stetige Begleiterin der menschlichen Geschichte. Unterschiedlichste Formen von Gewalt durchziehen weite Räume des alltäglichen Lebens."
(Dr. Marita Genesis)


Die Ära des Dresdner Barock vor etwa 300 Jahren bildet in puncto Gewalt keine Ausnahme, obwohl sich von dieser Zeit vor allem der schillernde kurfürstliche Glanz überliefert hat. Doch unter keinem anderen Regenten wurde so häufig und heftig abgestraft, verstümmelt und hingerichtet wie in der Regierungszeit des weltbekannten Narzissten Friedrich August I., genannt "August der Starke". Für ihn bluteten Soldaten nicht nur zu Tausenden auf Schlachtfeldern, auch seine gesponnenen Intrigen und harten Bestrafungen suchen ihresgleichen in der kursächsischen Geschichte.
Aber mal ehrlich: Haben Sie tatsächlich gedacht, der Reichtum in Dresdens berühmten Museen sei das Werk fairer Tauschgeschäfte? Glaubten Sie etwa, die Dresdner Barockzeit wäre eine friedliche gewesen?
Es wird höchste Zeit, der wahrlich lebhaften Historie der Stadt ein paar Buchseiten hinzuzufügen. 

Das Buch, bei dem Thomas und ich aus Herausgeber fungieren, ist eine ergänzende Lektüre zu "Vom Hängen und Würgen - Dresdens schaurige Geheimnisse" und enthält Originaltexte und teilweise kommentierte Chronikeinträge aus vergangener Zeit, die das Bild des Dresdner Barock abrunden.






"Blutiger Barock" erscheint voraussichtlich Ende August im Dresdner Buchverlag
ISBN: 978-3-946906-01-8
Größe: 12 x 19 cm, ca. 100 Seiten
Klappenbroschur, mit Illustrationen von Thomas Zahn
Preis: 10,00 Euro


Euer Mario

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonntagsausflug nach Lauenstein mit Richtstättenarchäologin Dr. Genesis

Am Sonntag, dem 28. Mai 2017, war es endlich so weit: Mario und ich durften die führende Richtstättenarchäologin Deutschlands, Frau Dr. Marita Genesis, persönlich kennenlernen. Diese besuchte mit ihrer Familie das Müglitztal und für besagten Sonntag war ein Besuch in Lauenstein geplant, bei dem wir sie begleiteten.

 
Bereits vor ihrem Geleitwort zu unserem Buch "Vom Hängen und Würgen – Dresdens schaurige Geheimnisse" führte sie mit Mario einen regen, freundlichen Briefwechsel und so waren wir sehr gespannt auf ein persönliches Treffen.

Während ihres Besuches hatten wir ausführlich Gelegenheit, ihr die Bedeutung Lauensteins, gerade unter der Herrschaft der Familie von Bünau, darzustellen. Durch historisches Kartenmaterial und alte Chronikaufzeichnungen konnten wir außerdem ein umfassendes Bild der Gerichtsbarkeit des Ortes zeichnen, in dem zahlreiche Plätze, die eine Verbindung zu diesem Thema haben, noch immer erhalten sind: das ehemalige Gerichtsgebäude, die Feldmeisterei, in der der Abdecker seiner Arbeit nachging, und das Schloss mit seinen Kerkerzellen, dem "Angstloch" und weiteren Merkwürdigkeiten. Natürlich wanderten wir auch zur Liebenauer Höhe, wo sich – unserer Vermutung nach – das Hochgericht Lauensteins befand.

Nach eingehender Untersuchung der kreisrunden Mauerreste kam Frau Dr. Genesis zu den gleichen Schlussfolgerungen wie wir, nämlich dass es sich tatsächlich um das Hochgericht handeln könnte. Eine Ausgrabung kann interessante Einblicke in diese unbekannte Zeit geben …

Euer Thomas

Montag, 15. Mai 2017

Die Hinrichtung der Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury

Wenn es sich ergibt, versuchen wir schon, bestimmte historische Daten in unserem Blog mit zu berücksichtigen. Daher möchte ich euch heute von einer Hinrichtung in England berichten, die sich am 27. Mai 1541 ereignete, sich also bald zum 476. Male jährt.
Bei Recherchen zu verschiedenen Gerichtsurteilen stoßen wir immer wieder auch auf schiefgegangene Hinrichtungen, gerade bei Enthauptungen mit dem Richtschwert. Bei einigen dieser Fälle handelte es sich vielleicht um ein absichtliches Fehlschlagen des Scharfrichters, ein sogenanntes „Butzen“ (wie im Fall der Helene Gillet (vgl. Mario Sempf „Vom Hängen und Würgen – Dresdens schaurige Geheimnisse“, Kapitel „Blutiges Desaster am Schafott“), oder vielleicht auch um übermotivierte oder sogar betrunkene „Meyster“. Wer weiß schon, dass Maria Stuarts Scharfrichter drei Schläge brauchte, um sie hinzurichten?


Ein besonders grausames Beispiel aus England habe ich bei meinen letzten Recherchen gefunden: Eine gewisse Margaret Pole, 8. Countess of Salisbury, fiel zu Zeiten Heinrich VIII. in Ungnade. Sie war in den Strudel der englischen Machtpolitik Heinrichs geraten und unterstützte dabei dessen Tochter Maria, deren Gouvernante sie war. Auch hatte sie selbst durch ihre familiäre Abstammung Anspruch auf den englischen Thron, was Margaret immer wieder zum Opfer von Intrigen machte.

In der späteren Regierungszeit Heinrich VIII. gipfelte der Widerstand ihres Sohnes Reginald Pole gegen den König in der Verhaftung Margarets und ihrer Familie. Ihr Sohn Henry Pole wurde im Verlauf der sogenannten „Exeter-Verschwörung“ hingerichtet. Margaret folgte ihm nach fast drei Jahren im Tower of London. Sie war zu diesem Zeitpunkt 68 Jahre alt. 

Am Morgen des 27. Mai 1541 wurde Margaret Pole zum Schafott auf dem East Smithfield Green innerhalb des Towers geführt. Trotz ihrer stetigen Unschuldsbeteuerungen wurde sie dort dem Scharfrichter übergeben.

Da sie eine Adlige war, wurde ihr eine private Hinrichtung gestattet, über die es zwei Berichte gibt. In dem einen soll der Scharfrichter – ein „elender, stümperhafter Junge, der ihren Kopf und ihre Schulter auf schrecklichste Weise buchstäblich in Stücke hackte“ – zuerst ihren Hals verfehlt und stattdessen die Schulter getroffen haben. Er hätte noch weitere zehn (!) Schläge gebraucht, um sie zu enthaupten. Die zweite Schrift gibt Auskunft, sie habe es zuerst noch geschafft, zu entkommen, wurde dann aber vom Scharfrichter eingefangen, vom Schafott herabgeworfen und anschließend gerichtet. In der Zahl der benötigten Schläge stimmen beide Berichte überein.



So endete eine der wahrscheinlich grausamsten Hinrichtungen der damaligen Zeit.

Euer Thomas

Donnerstag, 4. Mai 2017

Wir bauen uns einen Galgen

Warum – in aller Welt – macht man denn so was?

Diese Frage taucht immer wieder auf, wenn Mario und ich von unseren Recherchen erzählen.
Stimmt, es mutet vielleicht erst einmal etwas seltsam an und ist für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar, aber wir möchten unsere Forschungsergebnisse eben auch so anschaulich wie möglich präsentieren. Gerade beim Thema Gerichtsbarkeit gibt es eine Menge Halbwissen und viele stellen sich unter einem Galgen ausschließlich den durch Film und Fernsehen bekannten hölzernen Knie- oder Viertelgalgen vor. Dass ein sogenanntes "Hochgericht" jedoch oft aus Stein gebaut war und eine beträchtliche Größe haben konnte, ist den meisten nicht bekannt. Darum nutzen wir zur Erklärung gern unsere Visualisierungen sowie Modelle der unterschiedlichen Galgen-Arten.

Bauphase des Modells des Lauensteiner Galgens


In den vergangenen Jahren zog es Mario und mich auch immer wieder zu Recherchen ins Müglitztal. Nach intensivem Studium alter Handschriften und handgezeichneter Kartenmaterialien stießen wir im Frühling 2016 tatsächlich auf die Überreste des steinernen Hochgerichts von Lauenstein.
In einer historischen Quelle wird darüber wie folgt berichtet: "Dieses Hohe Gericht bestand aus einer kreisrunden Mauer, auf welcher drei über 6 Ellen [Anmerkung: 1 sächsische Elle entsprach etwa 0,5 bis 0,8 Metern] über die Mauer hinausragende Pfeiler angebracht waren. Von einem Pfeiler zum anderen lag ein starker eichener Stamm, an dem die Delinquenten gehangen wurden. Den Eingang bildete eine in der Mauer angebrachte Tür."

Damit hatten wir die Höhenangaben, durch Messen der kreisrunden Mauer vor Ort an der alten Richtstätte erhielten wir auch die restlichen Daten. Nun konnten wir den Bau des Modells maßstabsgetreu beginnen.

Und so hat der Lauensteiner Galgen mit großer Wahrscheinlichkeit einmal ausgesehen:

Fertiges Modell des Lauensteiner Galgens


Ihr fragt euch in diesem Zusammenhang sicher, welche unfassbaren Geschichten sich an diesem düsteren Ort zugetragen haben mögen? Auch darüber haben wir in alten Ortschroniken einiges gefunden und zusammengetragen. Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden.

Wenn ihr mehr wissen möchtet, dann laden wir euch für den 20. Mai 2017 zu einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise ein. Während einer etwa dreistündigen Wanderung entführen wir euch zu den Orten der Gerichtsbarkeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit des Ortes Lauenstein im Müglitztal. Unser Galgenmodell wird dann live zu sehen sein. Doch der Höhepunkt unserer Tour ist tatsächlich die Besichtigung der Überreste der von uns wiederentdeckten alten Richtstätte.

Na? Neugierig geworden? Dann freuen wir uns auf euer Kommen. 

Weitere Infos unter: www.mittelalter-dresden.de
Fragen und Anmeldung unter (0351) 500 08 40 sowie per E-Mail unter salomo.publishing@gmail.com


Alle Infos noch mal in Kürze:

Die "Lauensteiner Galgenwanderung" findet am 20. Mai 2017, um 14 Uhr statt.

Treff:
13.45 Uhr am Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein (Eingang Museum)

Adresse:
Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein
Stadtteil Lauenstein
01778 Altenberg

Preis:
35,00 Euro pro Person (inkl. Imbiss an der alten Richtstätte)


Euer Thomas
 

Sonntag, 23. April 2017

Kleiner Rückblick auf unsere "Jungfernfahrt" im Oldtimer-Bus

Lieben Dank an Maik Sempf für die wunderbaren Bilder von unserer "Jungfernfahrt" im Oldtimer-Bus. Es hat sichtlich Spaß gemacht.
Ab nächsten Donnerstag nehmen wir euch dann ganz offiziell einmal im Monat mit zu den Orten der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit in Dresden. Wir freuen uns auf euch.

Infos und Terminreservierungen unter: http://www.mittelalter-dresden.de/stadtrundfahrten.html

Mario & Thomas
























Dienstag, 18. April 2017

28.04.17: "Scharfrichtermahlzeit" in der "Wachbergschänke"

Geschichten über Scharfrichter und Henker schlagen euch nicht auf den Magen? Und ihr würdet euch sogar in einem schaurigen alten Ritterturm wie zu Hause fühlen? Dann reserviert noch schnell euren Platz für unsere rustikale "Scharfrichtermahlzeit" (regionale, traditionelle sächsische Küche) mit szenischer Lesung am Freitag, dem 28. April 2017 in der urgemütlichen "Wachbergschänke" Dresden (Waldmüllerstr. 1b, 01326 Dresden). Es sind nur noch wenige Plätze verfügbar.

In besonderer Atmosphäre mitten im Grünen, in Sichtweite des Dresdner Fernsehturms und mit einem wundervollen Blick über den Wachwitzgrund könnt ihr euch bei Speis und Trank ganz entspannt zurücklehnen und euch von uns in eine andere Zeit entführen lassen. Schaurige Geschichten im Ritterturm der "Wachbergschänke" inklusive ...

  
Termin: Freitag, 28. April 2017
Einlass: ab 17 Uhr
Beginn: 18 Uhr
Preis: 54,00 Euro pro Person (für Begrüßungsgetränk, 3-Gang-Menü, szenische Lesung)


Reservierungen bitte direkt beim Team der "Wachbergschänke"
Telefon: (0351) 264 00 14
E-Mail: info@wachbergschaenke.de
http://www.wachbergschaenke.de/