Dienstag, 24. April 2018

Fundstück Nummer 17: Shadow of the Wall oder: Die Folgen des Baubooms

Als heutiges "Fundstück der Woche" möchte ich auf eine Pressemeldung vom 14. April 2018 eingehen, die besagte, dass bei Bauarbeiten an der Wallstraße ein Teil der Dresdner Bastionärsbefestigung freigelegt wurde, also einmal mehr ein Stück des historischen Dresden ans Tageslicht kam. Leider war dieses Stück Stadtgeschichte nur für einige Tage zu sehen, so schnell schreiten die Arbeiten voran. Die archäologischen Funde wurden leider nicht erhalten.

Foto: Thomas Zahn

Um die Stadt zu schützen, wurde Dresden bereits im Mittelalter von einer Stadtmauer umschlossen. 1299 wurde diese zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Im Jahre 1427 wurde eine zweite Mauer vor der mittelalterlichen angelegt, aber erst unter Kurfürst Moritz von Sachsen entwickelte sich Dresden zu einer gewaltigen Festung. Inspiriert durch Vorbilder aus u. a. Norditalien, ließ Moritz 1545 bis 1555 eine Bastionärsbefestigung mit einer mächtigen Festungsmauer, pfeilartigen Bastionen und einem das Ganze umgebenden Wassergraben errichten, die einen Angriff auf die Stadt erheblich erschweren sollten.

Da man das Stück der alten Festungsmauer an der Wallstraße schon heute leider nicht mehr sehen kann, bin ich sehr froh, euch wenigstens ein Foto der Ausgrabungsstätte zeigen zu können. Doch um einen Eindruck von den Dimensionen der Festungsmauer zu bekommen, kann man auch an anderen Stellen in der Stadt einen Blick auf sie erhaschen, ist sie doch aus dem Dresdner Stadtleben einfach nicht wegzudenken – zum Beispiel als "Brühlsche Terrasse", welche als Teil der Dresdner Befestigungsanlagen ebenfalls im 16. Jahrhundert errichtet wurde.

Wer sich ein genaueres Bild machen möchte, dem sei ein Besuch des Dresdner Vereins Brühlsche Terrasse e. V. in der sogenannten "Piatta Forma" ans Herz gelegt. Nicht nur die dort ausgestellten Modelle der Festung sind sehenswert, sondern in den Gewölben kann man ebenfalls noch einen Teil der alten Stadtmauer entdecken.


Euer Thomas

Mittwoch, 18. April 2018

Unser "schaurig-schöner" Fototermin

Vor ein paar Wochen haben wir uns als Ritter Jonas Daniel, als Dresdner Scharfrichter Melchior Wahl sowie Ursula Margarethe von Haugwitz von dem grandiosen Dresdner Fotografen Dirk Sukow ablichten lassen. Herausgekommen sind unter anderem diese "schaurig-schönen" Bilder, mit denen wir euch heute gern ein bisschen neugierig auf unsere Stadttouren machen möchten. Denn nächste Woche starten wir voller Elan in die neue Saison und freuen uns, wenn wir euch vielleicht auch einmal auf eine "schauderhafte" Zeitreise ins historische Dresden entführen dürfen.

Alle Infos zu unseren Stadtführungen, Stadtrundfahrten und sonstigen Veranstaltungen findet ihr hier: www.mittelalter-dresden.de

Wir freuen uns auf euch,
Mario, Thomas & Katharina








Fotos: Dirk Sukow
Wir bitten euch, sollten euch die Bilder gefallen, diese nicht einfach zu verwenden, sondern uns bitte vorher zu fragen (per E-Mail: salomo.publishing@gmail.com). Danke schön.


Dienstag, 3. April 2018

Veranstaltungshinweis für den 05.04.18

Endlich – unsere Veranstaltungssaison beginnt: Am Donnerstag (5. April 2018) sind wir im Rahmen des 950. Geburtstages des Dresdner Stadtteils Löbtau zu Gast im Stadtteilladen "Löbtop". Dort lesen wir aus unseren Büchern und erzählen euch über die Richtstätte "Auf dem Anger", die sich bis 1837 in Löbtau befunden hat.

Wann: 5. April 2018, um 18 Uhr
Wo: Stadtteiladen Löbtop (Deubener Str. 24, 01159 Deutschland)
Eintritt frei. 

Mario & Thomas

Montag, 26. März 2018

Fundstück Nummer 13: Ostereier?

Sicher sind wir uns darüber einig, dass Kanonenkugeln in einer Hauswand nicht der Normalität entsprechen. In Dohna, einem kleinen Ort im Müglitztal, keine 30 Kilometer von Dresden entfernt, begegnen den Besuchern jedoch häufiger derartige "faule Ostereier".
Den Hauswänden, in denen diese verrosteten Geschosse stecken, sieht man ihr betagtes Alter zumeist auch gleich an. Viele der Gebäude stammen noch aus der Zeit vor 1813.

Kam der geschichtsträchtige Ort Dohna durch so manches Ereignis im Mittelalter mehr als einmal in die Schlagzeilen, so sollte sich auch in Zeiten größter blutiger Unruhen unter Napoleon daran nichts ändern. In Dohna gerieten die dortigen Burggrafen mit dem Meißner Markgrafen bereits um das Jahr 1200 wegen der Vorherrschaft im Gau Nisan in heftigen Streit. Die Dohnaer zogen den Kürzeren und wurden 1402 schließlich vom einäugigen Wilhelm (Markgraf Wilhelm I. von Meißen) verjagt. Später peinigten marodierende Hussitenbanden und schließlich auch die Pest die Bevölkerung des kleinen Ortes.

Ganz dicke sollte es jedoch 1813 kommen: In jenem Jahr zogen die Truppen Napoleons nach erfolgreicher Schlacht um Dresden (26. und 27. August 1813) durch die dichten Wälder des Müglitztals. Sie hatten in der Residenz Schutt und Asche hinterlassen. Die südlichen Vororte von Dresden wurden teilweise schwer zerstört und die Stadt glich durch die große Anzahl von Verwundeten einem einzigen riesigen Feldlazarett. In Dohna wurden die ermatteten französischen Soldaten jedoch bereits von russischen Truppen empfangen. Deren Begrüßung fiel sehr blutig aus. Musketen und Kanonen krachten im Sekundentakt und so mancher Querschläger landete in den Häusern der verängstigten Dohnaer.

Jene Franzosen, die sich auf eine kleine Erhebung namens "Kahlebusch" zu retten versuchten, liefen auch hier den Russen vor die Gewehre und blieben blutüberströmt auf den Sandbergen liegen. Meist handelte es sich bei ihnen um ganz junge Kerle. Ihre Knochen liegen wahrscheinlich noch heute in den Abraumhalden des Kahlen Busches.
Als "Kaisernacht bei Dohna" ist dieses bluttriefende Ereignis bekannt geworden, dessen Hinterlassenschaften man im Heimatmuseum am Dohnaer Marktplatz sehen kann. Und auch die Häuser mit den Kanonenkugeln in den Mauern scheinen diese Schicksalstage eingefroren zu haben. Drohend und mahnend – auf dass so etwas nie wieder geschieht.

Wir wünschen euch allen ein friedliches Osterfest,

Mario & Thomas

Mittwoch, 21. März 2018

Fundstück Nummer 12: Auf der Suche nach dem "Alten Rathaus"

Vergangene Woche besuchte ich mal wieder das Dresdner Stadtmuseum – das günstigerweise freitagnachmittags eintrittsfrei zu besichtigen ist. Ich hatte mir vorgenommen, das Modell des ältesten bekannten Dresdner Rathauses anzuschauen, welches ich für ein neues Projekt (immer schön neugierig bleiben!) zeichnen wollte.

Dieses Alte Rathaus wurde 1295 erstmals als "Kaufhaus" erwähnt und war – an der Nordwestecke des Altmarktes befindlich – ein zentraler Punkt für die Ausübung des städtischen Marktrechts. Alles Marktdienliche war dort integriert. In einem kleinen Anbau befanden sich die für den Handel wichtigen Gewichte und Maße, unter anderem der Dresdner Scheffel, ein kupferner Kessel an einer Kette zur Überprüfung des Eingekauften. Ab 1502 lässt sich dieser Scheffel übrigens an der Ecke der Großen Webergasse nachweisen, die seitdem Scheffelgasse heißt. Und um Marios Thema von vor zwei Wochen noch einmal aufzunehmen: Auch die Brot- und Brötchenmaße, an die sich die Dresdner Bäcker zu halten hatten, waren am Rathaus zu finden.
Es gab dort jedoch selbstverständlich auch eine große Ratsstube für Sitzungen und Amtshandlungen, aber auch Feste wie zum Beispiel Hochzeiten fanden im Rathaus statt. Dabei hatte man dann das Richtschwert des Dresdner Scharfrichters immer im Blick, das an der Wand hinter dem erhöhten Sitz des Bürgermeisters befestigt gewesen sein soll. Und wenn man in diesem Zusammenhang einmal darüber nachdenkt, dass im Mittelalter und der frühen Neuzeit auf Ehebruch die Todesstrafe durch das Schwert stand, bekommt der Hochzeitsspruch "Bis dass der Tod euch scheidet" auf einmal eine ganz andere Bedeutung ...
Illustration: Thomas Zahn
Das Rathaus war also nicht nur für den Marktbetrieb wichtig, sondern auch ein zentraler Ort der Gerichtbarkeit. Am Rathaus befand sich der Pranger, im Rathaus wurde Recht gesprochen, die Urteile verlesen und vollstreckt. Und auch die "peinlichen Befragungen" wurde hier durchgeführt. Laut Johann Christian Hasches "Umständlicher Beschreibung Dresdens" wäre im Dresdner Rathaus aber kein spezieller Raum dafür vorgesehen gewesen, sie seien davor abgehalten worden. Nachweise dafür haben wir jedoch noch nicht gefunden.

1707 wurde das erste Rathaus auf Wunsch August des Starken abgetragen, dieser war der Meinung, "das Rathaus enge den Platz ein und zerstöre dessen Eindruck". Als Rathaus wurde ab diesem Zeitpunkt das Altstädter Rathaus an der Westseite des Altmarktes genutzt, welches 1910 seinerseits den Titel "Altes Rathaus" erhielt.

Vielleicht noch diese kleine schaurige Ergänzung: Beim Abriss im Jahre 1707 tauchten in den Kellergemäuern einige Gerippe auf. Bei diesen handelte es sich wahrscheinlich um Menschen, die man in vorreformatorischer Zeit als Gotteslästerer dort eingemauert hatte.

Euer Thomas